Zwillinge – gemeinsam stark in der Klasse. Oder: Identische Zeugnisse.

IMG_1577Hier in Baden-Württemberg war heute der letzte Schultag vor den Sommerferien und somit brachten Krissi (10, Gymnasium), Ben und Eli (beide 9, Grundschule) ihre  wirklich tollen Zeugnisse mit nach Hause.

Ein klasse Auftakt für die Ferien!

Verblüffend ist in der Tat jedoch, dass unsere Zwillinge, Ben und Eli, vollkommen identische Zeugnisse vorlegen konnten! In jedem Fach haben beide exakt die gleiche Note erhalten.

Die beiden sind beabsichtigt zusammen in einer Klasse, weil sie sich trotz ihrer charakterlichen Individualität brauchen und ohne den jeweils anderen nicht sein können. Sie sind sich gegenseitig der beste Freund und behindern sich nicht (wie von so manchem Kritiker und auch einzelnen Pädagogenkollegen gerne dargestellt) in ihrer Entwicklung. Nein, das Gegenteil ist bei unseren Zwillingen der Fall. Die beiden stehen füreinander ein und sahen sich noch nie als Konkurrenten. Sie lernen voneinander und der eine profitiert von den Stärken des anderen. Gleichzeitig erfahren und erleben sie, dass Schwächen erlaubt sind und wie man damit umgehen kann. Und genau das ist eine Kompetenz, die so wichtig ist im Leben.

Ich wollte zum Start in die Sommerferien all‘ denen diesen kleinen Einblick in den Schulalltag mit Zwillingen geben, die irgendwann vor der Entscheidung stehen, die Weichen für ihre Kinder bzgl. der getrennten oder gemeinsamen Einschulung zu stellen.

Eine gute Zeit!

 

Ein gesundes Pausenvesper unterstützt das Lernen. Oder: Kinderleicht mit Rezepten von LaVita!

 

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Avocado-Brot mit Paprika und Sprossen (Bild und Rezept von LaVita)

Wer kennt es nicht, das immer wiederkehrende Problem des Pausenbrotes… Morgens ist es oft hektisch, das eine Kind sucht noch nach den Turnschuhen, das andere muss zur Beeilung angehalten werden, das nächste möchte noch einen Elternbrief unterschrieben haben und selbst sollte man sich auch für die Arbeit fertig machen!

Eltern lassen sich durch die alltägliche Routine oft dazu hinreißen, dem Kind mit einem Griff in den Süßigkeitenschrank einen Schokoriegel für die Pause zuzustecken. Nicht selten haben Kinder aber auch gar kein Vesper dabei bzw. kaufen sich irgendein süßes Teilchen beim örtlichen Bäcker.

Hier bekommen Eltern nun eine tolle Hilfe an die Hand, denn mit LaVitas tollen Rezeptideen wie „Tomate-Mozarella-Ecken“ oder „Avocado-Brot mit Paprika und Sprossen“ (hmmmm, da bekomme ich schon beim Aufschreiben Hunger 😉) und Videoanleitungen macht schon das Zubereiten des gesunden Pausenvespers Freude und der Verzehr natürlich noch viel mehr. Mit nur wenigen Handgriffen und tollen Zutaten ist ein besonderer Pausensnack im Handumdrehen hergestellt und er animiert und motiviert die Kinder, mit Freude und Appetit zu essen.

Hier stelle ich gerne eines der Videos von LaVita vor:

 

Ein gesundes Pausenvesper ist unerlässlich für das Lernen und schulische Arbeiten. Aus meiner täglichen Arbeit als Rektorin und Lehrerin kann ich aus der Praxis berichten, dass der Körper ca. 2-3 Stunden nach dem ersten Frühstück des Tages neue Energie benötigt, um sich kognitiv und auch körperlich erfolgreich betätigen zu können. Kinder, die morgens ohne Frühstück aus dem Haus gehen (was ich aus schulischer Sicht nicht empfehle), brauchen dann für die große Pause in der Schule sogar eine noch umfangreichere Kost als die Kinder, die am Morgen schon gefrühstückt haben.

An meiner Schule achten wir ganz explizit auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Hier gehört als wichtiger Bestandteil das Pausenvesper mit dazu. Wir besprechen das in den Elternabenden und weisen Eltern darauf hin, wie wichtig der Inhalt der Vesperdose für das schulische Lernen ist und was denn ganz konkret gute Energielieferanten für den Schulalltag sind. So dürfen bei uns keine Süßigkeiten mitgebracht und verzehrt werden. Auch bei den Getränken sind  nur Wasser und Saftschorle erlaubt. Eltern unterstützen ihre Kinder auch, indem sie Vorbild sind und selbst im Familienalltag Wert legen auf gesunde Ernährung.

Mit den Kindern schauen wir im Rahmen des Unterrichts immer wieder gemeinsam die mitgebrachten Dinge durch, erläutern die Eigenschaften und Zusammensetzung der Lebensmittel und geben bei Bedarf Verbesserungsvorschläge und Anregungen mit auf den Weg.

Wir messen der Essenszeit, also der großen Pause, eine große Bedeutung bei, nicht nur aus ernährungstechnischen Gründen, sondern auch vor dem Hintergrund sozialer Aspekte. So habe ich mit meinen KollegInnen für unsere Schule im Schulprofil festgeschrieben, dass jede Klasse im Klassenverbund im Klassenzimmer das Pausenvesper gemeinsam einnimmt. Das gemeinsame Essen unterstützt und fördert das soziale Gefüge und die Ausbildung einer Tischkultur. Essen bedeutet Geselligkeit und Atmosphäre und schafft eine Verbindung untereinander. Während die Kinder essen, liest die Lehrkraft im Klassenzimmer vor. Nach der Essenszeit beginnt die große Pause. Da unsere SchülerInnen nun schon in Ruhe gegessen haben, haben sie nun Zeit, sich auszutoben, sich zu bewegen, zu balancieren, zu klettern und zu rennen und sind dann bestens vorbereitet für die nun noch kommenden Schulstunden.

Für unsere o.g. Umsetzung und präventive Arbeit im Bereich Ernährung wurde unsere Schule jüngst mit einem Stern ausgezeichnet.

Mein Tipp: LaVita ist übrigens auch auf Facebook und Youtube zu finden!

Facebook: https://www.facebook.com/lavita/
YouTube: https://www.youtube.com/user/lavitachannel

(sponsored Posting)

 

 

Sommerferien und Abschied. Oder: Brief an mein kleines großes Mädchen.

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Liebe Krissi!

Der Endspurt war schön und anstrengend, wie in jedem Jahr. Die Ereignisse in der Schule übertrafen sich wieder einmal gegenseitig. Ausflüge, Konferenzen, Zeugnisse sichten und unterschreiben, Abschlussfeiern, Planungen für die kommende Einschulungsfeier an meiner Schule usw.

Ich könnte noch viele Dinge aufschreiben, die während der letzten Schulwochen über den Schreibtisch meines Rektorats gehen. Lauter Dinge, die zeigen, dass man als Schule wieder ein erfülltes Schuljahr zu einem guten Schluss geführt hat. Ein wirklich tolles Gefühl.👍🏼

Und doch war es anders als in den Jahren zuvor: Denn es endete mit diesem letzten Schultag nicht nur ein Schuljahr.

Nein, für dich, liebe Krissi (9), ist die  Grundschulzeit zu Ende. Vier Jahre. Wo sind sie geblieben? Du, das kleine, gerade 6 Jahre gewordene Mädchen mit dem riesigen Schulranzen und der mächtigen (unter Schweiß und Blut von mir gebastelten) Schultüte, standest doch eben noch voller Erwartung vor dem Eingang der Schule. Du konntest den ersten Schultag kaum erwarten und hast am Abend geweint, weil dieser tolle Tag viel zu schnell vorbei war.

Das ist in der Tat vier Jahre her und du hast dein erstes Abschlusszeugnis erhalten, das der Grundschule. Vorbildlich. Mit Bravour. Wir sind unheimlich stolz auf dich.

Nun steht nach den Ferien ein neuer Abschnitt für dich an. Und obwohl wir erst seit wenigen Tagen Ferien haben, freust du dich schon jetzt auf das Gymnasium.

Du liebst Schule – ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass das weiterhin so bleiben möge, denn das erleichtert doch so manches 😉 . Wir werden dich an deiner neuen Schule unterstützen und dich begleiten, wann immer du uns brauchen wirst.

Aber nun sind erst mal Ferien.

Die Zeit, in der Schule auch mal in den Hintergrund treten darf.

Die Zeit, in der wir nicht so oft auf die Uhr schauen.

Die Zeit, in der wir einfach so unter der Woche zu fünft ins Kino gehen.

Die Zeit, in welcher wir in den Urlaub fahren werden.

Die Zeit, in der du mit deinen Brüdern ein Matratzenlager aufschlägst, um euch bis in die Nacht hinein Geschichten zu erzählen.

Die Zeit, in der ihr spontan zu Oma und Opa fahrt.

Die Zeit, in der ihr den ganzen Tag über je nach Lust und Laune in den Pool im Garten springen könnt.

Die Zeit, in der Zeit einfach da ist und keine Rolle spielt und gleichzeitig die wichtigste Hauptrolle einnimmt.

Ich wünsche dir und Ben und Eli und uns als Familie und allen, die das lesen, wundervolle und erholsame Ferien!!

 

 

 

 

Auszeit zum Heulen. Oder: Typisch Zwillinge!

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Es gibt immer wieder Vorkommnisse, die wohl nur Zwillinge kennen, Situationen, die dieser besonderen Geschwisterkonstellation vorbehalten sind.

Mittagschule. Schwimmunterricht bei Ben und Eli (beide 7).

Ben ist es zu laut im Duschraum. Alle brüllen durcheinander. Kurzerhand hält er sich deshalb die Ohren zu.

Und schreit: „RUUUUHEEE!“

Die Lehrerin hört genau das. Und Ben, der ansonsten in der Schule immer zu den ruhigsten gehört, ist entlarvt.

Er bekommt als Sanktion eine 10-minütige Auszeit, darf also die erste Zeit den Schwimmunterricht vom Beckenrand aus ansehen. Gut.

Zu Hause erzählt Eli uns von dem Vorfall.

Ben ergänzt die Ausführungen seines Bruders: „Und Eli hat dann noch geweint.“

Ich erkundige mich nach dem Grund für Elis Weinen in der Schule.

„Ich musste weinen, weil Ben die 10-Minuten-Strafe bekommen hat!“, sagt Eli daraufhin.

So viel zur Solidarität unter Zwillingen. Emotionale Erlebnisse äußern sich bei unseren Zwillingen immer wieder gegenseitig. Der eine trägt die Gefühle des anderen nach außen. Wir sehen an Eli, wie es Ben geht. Und umgekehrt. Sie spiegeln sich und teilen sich so mit.

Kennt ihr solche Beispiele auch? Ich freue mich über Erfahrungsberichte per Mail, Kommentar oder auf Twitter oder Facebook!

 

 

 

Noten verbessern durch Kopfkino. Oder: Warum Vorlesen eine tolle Chance ist.

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Kinder genießen es von klein auf. Und es bedarf keiner großen Dinge.
Nur ein Buch. Und Zeit. Und Zuwendung.
Kinder lieben es, wenn Papa oder Mama, Oma oder Opa sich mit einem Buch zu ihnen setzen und sich Zeit nehmen.
Zeit um vorzulesen. Zeit um ein Buch anzusehen.
Vorzulesen ist ein Fortführen von altem Kulturgut.
Schon im Kleinkindalter ist es wichtig, Bücher in den Alltag mit einzubeziehen. Bilder werden angeschaut und Kinder tauchen ein, um dort viele Dinge aus ihrer Lebenswelt und -wirklichkeit zu entdecken. Bilderbücher der verschiedensten Themenbereiche bieten unzählig viele Gesprächsanlässe mit Kindern. Laut einer britischen Studie können bereits wenige Monate alte Kinder Bilder von alltäglichen Gegenständen wahrnehmen und verstehen.
Kindern im Kindergarten- und Vorschulalter regelmäßig vorzulesen ist eine Chance, die Eltern nutzen sollten. Vorgelesen zu bekommen macht neugierig darauf, selbst das Lesen zu erlernen.

Doch: Wie ist es bei Schulkindern? Soll Kindern noch vorgelesen werden, obwohl sie schon selbst lesen können?
Die Antwort lautet ganz klar: Ja!
Unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Belgrad (Pädagogische Hochschule Weingarten) haben sich einige Schulen (auch meine Grundschule war dabei und wurde als „Vorleseschule“ zertifiziert) im Bereich „Vorlesen“ wissenschaftlich begleiten lassen.
Regelmäßig, also mindestens 3-4 Mal pro Woche wurde den Klassen für mindestens 10-15min vorgelesen. Dies kam bei den Kindern äußerst gut an. Sie freuten sich jeden Tag auf die Vorlesezeit, weil es eine Zeit ist, die zum Verweilen in der Geschichte einlädt, die es ermöglicht, der eigenen Fantasie nachzuhängen und sich wegzuträumen.
Das Kopfkino wird aktiviert, vor dem geistigen Auge spielt sich die vorgelesene Geschichte genauso ab, wie sich das Kind das ganze denkt. Kein vorgefertigter Film, keine vorgegebenen Bilder. Nein, das ureigene Denken und die innerste Fantasie werden aktiviert.

Und es ist erwiesen: Kindern, denen regelmäßig (mindestens 3-4 Mal pro Woche für mindestens 10-15 Minuten) in entspannter Atmosphäre vorgelesen wird, gelingen bessere schulische Leistungen. Die Noten der Kinder verbesserten sich in den Hauptfächern um bis zu eine ganze Note.
Desweiteren wurde in der Studie von Prof. Belgrad ganz deutlich, dass Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, sehr viel häufiger selbst zu einem Buch greifen um es zu lesen, als die Kinder, denen nicht vorgelesen wird. Eltern und Lehrer dienen also als sehr wichtiges Vorbild. Kinder, die nie erleben, dass ihre Eltern ein Buch lesen, werden das selber auch eher nicht tun.
Vorgelesen zu bekommen birgt noch eine weitere Chance: Auch diejenigen Kinder, die selbst Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, haben die Möglichkeit, auf diese Weise an Literatur teilzuhaben. Bücher bleiben ihnen nicht verschlossen, sondern sie bekommen auf die für sie beste Weise Zugang zu literarischen Themen. Vorgelesen zu bekommen ist zudem weniger anstrengend als selber zu lesen, weil das Entschlüsseln der Buchstaben wegfällt. Gerade Kindern mit Problemen in diesem Bereich kommt dies sehr zu Gute. Sie können sich ganz auf den Inhalt des Buches konzentrieren. Nach einiger Zeit des Trainings im Umgang mit Literatur auf diese Weise, fällt es den Kindern leichter, selbst zu lesen und die Lese-Technik sinnvoll anzuwenden.
Das Vorlesen kann noch unterstützt bzw. dessen Ergebnisse können noch optimiert werden, dadurch, dass man an geeigneten Textstellen das Vorlesen unterbricht und mit den Kindern in einen Dialog kommt. „Was meint ihr, was wird jetzt passieren?“ oder „Was hättest du an XYs Stelle getan?“ sind nur zwei von unzähligen Möglichkeiten, Kinder über das Buch zum Sprechen zu bringen und dabei die eigene Fantasie noch mehr anzuregen.

Feste Vorlesenzeiten und -rituale sind also wirklich gut einplanbar und in ihrer Wirkung nachgewiesenermaßen gewinnbringend und eine große Chance.

Quellen:
Studie von Prof. Jürgen Belgrad
Schon mit acht Monaten können Kleinkinder Bilder aus einem Bilderbuch verstehen

Rückstellung oder Einschulung? Oder: Ist mein Kind schulfähig?

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In meiner Funktion als Rektorin einer Grundschule werde ich oft gefragt: „Muss mein Kind bei der Einschulung wirklich schon lesen und schreiben können?“

Ganz eindeutig: Nein! Verboten ist es natürlich nicht – aber nur dann, wenn ein Kind es ganz alleine von sich aus lernen möchte. Und nur dann.
Doch was wird denn von der Schule erwartet? Was genau bedeutet Schulfähigkeit? Und wer hilft, zu erkennen, wo das Kind gerade steht und was man eventuell im letzten Jahr vor der Einschulung für das Kind tun kann?
Genau darüber möchte ich hier schreiben.

Um die Schulfähigkeit eines Kindes feststellen zu können, bedarf es größtmöglicher Sorgfalt. Die Erzieherinnen kennen das Kind in der Regel schon über mehrere Jahre und können diesbezüglich eine wirklich gute und fundierte Auskunft geben. Im letzten Kindergartenjahr findet eine sehr enge Kooperation zwischen der KiTa und der zuständigen Grundschule statt. An meiner Schule ist es z.B. so, dass die Vorschulkinder regelmäßig vormittags bei uns an der Schule sind und in einem Klassenzimmer mit der Kooperationslehrerin arbeiten, spielen, basteln oder Übungen machen. In dieser Kooperationszeit achtet die Kooperationslehrerin sehr genau darauf, was die einzelnen Kinder an Fähigkeiten schon mitbringen oder aber auch auf Bereiche, in welchen noch Unterstützung von Nöten ist. Gemeinsam mit den Erzieherinnen, der Kooperationslehrerin, der Schulleitung und den Eltern wird unter Einbeziehung der Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung über die Schulfähigkeit beraten und entschieden. Hierfür ist oft eine Vielzahl von Gesprächen erforderlich.

Doch was bedeutet eigentlich Schulfähigkeit ganz konkret?

Für die Schulfähigkeit spielt das Geburtsdatum eine eher untergeordnete Rolle. Die Stichtage für die Einschulung sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich festgelegt und umfassen einen großen Zeitraum.
Vielmehr werden verschiedene Bereiche dezidiert betrachtet. Wichtig ist hierbei: Ein Kind muss nicht alle Unterpunkte beherrschen sondern entscheidend ist das Gesamtbild. Der Blick auf alle Facetten ist unerlässlich.

1. Motorik
– Das Kind kann sich alleine an- und ausziehen.
– Es kann rückwärts gehen, ohne sich ständig umzusehen.
– Die Schuhe können eigenständig gebunden werden.
– Es gelingt dem Kind, 10x auf einem Bein vorwärts zu hüpfen.
– Das Kind kann einen Ball werfen und fangen.

2. Feinmotorik
– Die richtige Stifthaltung funktioniert schon im Kindergarten.
– Eine vorgezeichnete Linie kann mit einem Stift nachgefahren werden.
– Das Kind kann selbstständig die Grundformen Kreis, Dreieck und Viereck zeichnen.
– Vorgegebene Muster können fortgeführt werden.
– Das Ausmalen von Bildern gelingt sauber.
– Einfache Formen können ausgeschnitten werden.
– Der eigene Vorname kann in großen Druckbuchstaben geschrieben werden.

3. Kognitiver Bereich (Sprache, Mathematik)
– Würfelbilder müssen nicht nachgezählt werden, sondern werden sofort erkannt.
– Das Zählen bis mind. 20 funktioniert ohne größere Unterbrechung.
– Ein Kind kann sich 3 Arbeitsanweisungen merken („Geh mal in den Keller und mache das und das und das.“).
– Das Kind spricht in ganzen Sätzen.
– Kinder müssen bei Schuleintritt weder rechnen, lesen noch schreiben können.
– Reime und Lieder können wiedergegeben werden.
– Kurze Geschichten werden in eigenen Worten nacherzählt.
– Das Kind kann 15 Minuten konzentriert an einer Aufgabe bleiben.
– Es kann sich Dinge vorstellen und diese Dinge auch beschreiben, ohne sie konkret zu sehen.
– Das Kind zeigt Interesse an den verschiedensten Dinge und stellt Fragen.

4. Soziale/emotionale Entwicklung
– Das Kind entwickelt die Fähigkeit, zu nehmen und auch zu geben und zu teilen.
– Empathiefähigkeit ist vorhanden.
– Das Kind stellt Fragen nach Leben und Tod und auch nach Familienbeziehungen.
– Aus angebotenen Aktivitäten kann das Kind zielgerichtet auswählen.
– Das Warten, bis es an der Reihe ist, fällt dem Kind nicht schwer.
– Beim Spielen kann das Kind auch verlieren. Es spielt zielgerichtet.
– Meinungen und Wünsche kann das Kind in Worte fassen und zum Ausdruck bringen.
– Das Kind übernimmt gerne kleinere Besorgungen.
– Das Kind ist bestrebt, von Vorbildern zu lernen.

Das letzte Kindergartenjahr soll keinesfalls dafür benutzt werden, ganz explizit und intensiv für die Schule zu trainieren. Folgende wichtige, nützliche und einfache Tipps, die absolut einfach in den Alltag zu integrieren sind, gebe ich als Schulleiterin an die Eltern weiter:

Sprache:
– Sprache ist ein zentraler und äußerst bedeutsamer Punkt, in einer Zeit, in welcher Bücher nicht mehr selbstverständlich sind. Viele Medien drängen Bücher in den Hintergrund, dabei sind Bücher unerlässlich. Seien Sie als Eltern deswegen Vorbild und lesen Sie. Erleben die Kinder, dass Erwachsene in ihrem Umfeld viel lesen, werden die Kinder selbst viel stärker Interesse an Büchern zeigen und nach Büchern fragen.
– Regelmäßiges Vorlesen steigert nachgewiesenermaßen die Noten in den Fächern Deutsch und Mathe um bis zu eine halbe Note (Studie von Prof. Dr. Belgrad, meine Schule nahm daran wissenschaftlich begleitet teil). Durch Vorlesen bildet das Gehirn durch das Hören Sprechmuster, auf die es zurückgreifen kann. Durch das Vorlesen wird die Hörwahrnehmung gesteigert.

Lesen:
– Wie oben schon erwähnt, müssen Kinder auf keinen Fall lesen können, wenn sie in die Schule kommen. Das Lesen wird von Grund auf an der Schule gelernt. Fragt ein Kind aber von sich aus nach Buchstaben, verwehren Sie ihm keine Informationen. Versuchen Sie bitte nicht, dem Kind Lesen beizubringen, wenn es dies nicht ganz alleine von sich aus signalisiert.
Sollte ihr Kind nach Buchstaben fragen, lautieren Sie diese. Sprechen Sie „K“ nicht „Ka“.

Umgang mit Medien wie TV, Tablets und PC:
– Ein gesundes Maß im Umgang mit den neuen Medien ist wichtig. Kinder sollten nie ohne Aufsicht vor dem Fernseher sitzen. Bleiben Sie dabei, setzen Sie sich dazu und bleiben Sie Ansprechpartner bei spontan auftauchenden Fragen. Sprechen Sie im Anschluss mit ihrem Kind über die Sendung.
– Es gibt Apps und Computerspiele, die wirklich gut durchdacht sind. Diese aus der Vielzahl an sinnlosen Angeboten auszuwählen ist ein erster Schritt zu verantwortungsvollem Umgang mit diesen Dingen. Auch hier ist es wichtig, dass Sie dabei sind und auch mitspielen. So haben Sie einen guten Einblick in das, was die Kinder machen.

Selbstständigkeit:
– Viele Dinge des Alltags wären viel schneller erledigt, machten wir als Erwachsene diese selber. Geben Sie Arbeiten des Alltags, wie Tisch decken, abwaschen usw. an die Kinder weiter. Diese Erfolgserlebnisse stärken Ihr Kind.
– Bieten Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, innerhalb von mehreren Möglichkeiten/Freiräumen, selber entscheiden zu können. Lassen Sie z.B. aus einer Auswahl an Kleidungsstücken selber aussuchen, was das Kind gerne tragen möchte.

Strukturen:
– Konsequentes Handeln in gleichen Situationen ist absolut wichtig. Hierin liegt Sicherheit für die Kinder. Im Gehirn bilden sich Erfahrungsstrukturen. Diese sind nötig, um Zuneigung aufbauen zu können und Enttäuschungen zu vermeiden.
– Regeln und Rituale sind im Alltag unabdingbar.
– Beachten Sie, dass Sie Vorbild für Ihr Kind sind. Achten Sie selbst z.B. darauf, wie Sie Konflikte lösen. Ihr Kind wird diese Strategien in der Regel übernehmen.

Teilhaben am Alltag:
– Lassen Sie Ihr Kind am Alltag teilnehmen, gehen Sie gemeinsam einkaufen und spazieren, lassen Sie Ihr Kind bei der Gartenarbeit helfen oder auch beim Reparieren des Fahrrads. Besuchen Sie ab und an gemeinsam ein Konzert oder eine Ausstellung.
Die Fragen des Kindes kommen dann ganz von alleine.

Verbringen Sie aktive und wertvolle Zeit miteinander. Genau diese Auseinandersetzung mit dem Leben hilft Ihrem Kind, bereit zu sein für die Schule, so dass Ihr Kind Freude hat an der Schule und einmal sagen kann: Das war eine gute Zeit!

Ich wünsche allen eine gute Schulzeit!

Dieser Artikel erschien ebenfalls bei Huffingtonpost und Berliner Kinderzimmer.

Pro Bundesjugendspiele! Oder: Ein Plädoyer aus Sicht eines Kindes.

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Ich freue mich das ganze Jahr darauf und kann sie kaum erwarten: Die Bundesjugendspiele. Eine aktuelle Petition soll dafür sorgen, dass sie abgeschafft werden sollen. Das will ich nicht!

Nein, ich bin nicht eines der Kinder, welches jedes Jahr eine Ehrenurkunde mit nach Hause bringt. Es reichte bisher auch nicht zu einer Siegerurkunde. Aber ich nehme gerne teil und genau das steht auf meiner Urkunde: Teilnahmeurkunde (von meiner Lehrerin selbst entworfen, nicht an vielen Schulen gibt es das so, leider).

Ich bin keine Sportskanone, das ist mir bewusst. Aber darunter leide ich nicht. Ich freue mich mit meiner Freundin, die einfach eine brillante Sportlerin ist. Das ist ihr Tag, einer der wenigen, an denen sie zeigen kann, was sie drauf hat. Ich sehe sie strahlen und klopfe ihr stolz und auch bewundernd auf die Schulter.

Ich habe nur wenige Punkte erzielt, denn gut bin ich nur im Kurzstreckenlauf. Beim Weitwurf habe ich beim ersten Versuch den Ball beim Ausholen des Armes verloren und rückwärts geworfen. Den zweiten Versuch habe ich buchstäblich in den Sand gesetzt und direkt vor mir voller Kraft in die Erde gedonnert. Natürlich war das ein Anlass, zu lachen. Aber nicht nur für die andern: Auch für mich. Denn ich weiß, dass ich andere Dinge einfach besser kann. Mathe z.B., , Aufsätze schreiben oder ungeübte Diktate, mit welchen meine Freundin immer zu kämpfen hat.

Meine Eltern haben mich gelehrt, mit Niederlagen umgehen zu können und auch meine Stärken als solche wahrzunehmen. Und deswegen kann ich mich auf den Wettkampf der Bundesjugendspiele jedes Jahr freuen. Denn die Spiele machen mir Freude. Weil ich mich gerne draußen mit meinen Freunden bewege und weil ich so tolle Freunde habe, die mich noch anfeuern auch wenn schon abzusehen ist, dass mein Wurf keine große Weite erreichen wird. Weil ich so akzeptiert werde, wie ich bin. Weil ich stolz bin, meine Freundin über sich hinauswachsen zu sehen. Weil ich für meine ganz persönliche Leistung von meiner Lehrerin gelobt werde, weil ich dieses Mal doch einen minimalen Hauch besser war, als beim Üben, obwohl meine Ergebnisse in der Messtabelle gar nicht erst auftauchen.

Bei der Urkundenübergabe wird kein Unterschied gemacht. Meine Lehrerin überreicht jedem seine Urkunde und gibt dabei jedem Kind die Hand. Sie hat die Urkunde in ihrer schönsten Schrift gemalt und ausgefüllt und ich werde sie neben die anderen Teilnahmeurkunden in meinem Zimmer hängen. Und jedes Kind, das zu mir zum Spielen kommt, kann sie sehen. Noch nie würde ich dafür ausgelacht. Warum auch? Ich war dabei und kann damit leben, hier nicht mit den Guten oder gar Besten mithalten zu können.

Wenn man die Bundesjugendspiele abschaffen würde, dann müsste man die anderen Dinge auch abschaffen. Auch wenn unsere Lehrerin niemals die Noten der anderen Kinder in der Klasse vorliest, so wissen wir alle ziemlich genau, wer in welchem Fach richtig gut ist und wer noch etwas Schwierigkeiten hat. 

Das war mein ganz persönlicher (Rück-) Blick auf die Bundesjugendspiele. Genauso empfand ich es damals, vor ca. 30 Jahren. Heute erlebe ich die Bundesjugendspiele als Lehrerin und Schulleiterin. Es ist wichtig und unerlässlich, eine Atmosphäre zu schaffen, in welcher Toleranz und Empathiefähigkeit eine feste Basis sind. Das gilt nicht nur für die Bundesjugendspiele, das gilt für alle Bereiche der schulischen Arbeit. Das soziale Netz einer Klasse, ja einer Schule, muss so stark sein, dass es auffangen kann. Das ist nicht einfach, im Gegenteil, es ist eine der vielen (spannenden!) Herausforderungen von Schule und Pädagogik. Aber es ist eindeutig machbar, wenngleich es vielfältiger Übungen und sorgfältiger Beobachtung durch die Lehrkräfte bedarf.

Weiter ist es notwendig, mit Niederlagen und Schwächen umgehen zu können. Von Grund auf. Konstruktiv. Nicht destruktiv. Nicht alleine, sondern mit Beistand durch Eltern, Lehrer und Freunde. Ab und an gerne mit einer angemessenen Dosis Humor an der einen oder anderen Stelle. Wird diese Fähigkeit schon im Kindesalter angebahnt bzw. gefördert, ist dies in der weiteren Biografie eine große Erleichterung. Denn die Niederlagen werden im Leben nicht ausbleiben.

In diesem Sinne wünsche ich allen Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern schöne Bundesjugendspiele!