Noten verbessern durch Kopfkino. Oder: Warum Vorlesen eine tolle Chance ist.

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Kinder genießen es von klein auf. Und es bedarf keiner großen Dinge.
Nur ein Buch. Und Zeit. Und Zuwendung.
Kinder lieben es, wenn Papa oder Mama, Oma oder Opa sich mit einem Buch zu ihnen setzen und sich Zeit nehmen.
Zeit um vorzulesen. Zeit um ein Buch anzusehen.
Vorzulesen ist ein Fortführen von altem Kulturgut.
Schon im Kleinkindalter ist es wichtig, Bücher in den Alltag mit einzubeziehen. Bilder werden angeschaut und Kinder tauchen ein, um dort viele Dinge aus ihrer Lebenswelt und -wirklichkeit zu entdecken. Bilderbücher der verschiedensten Themenbereiche bieten unzählig viele Gesprächsanlässe mit Kindern. Laut einer britischen Studie können bereits wenige Monate alte Kinder Bilder von alltäglichen Gegenständen wahrnehmen und verstehen.
Kindern im Kindergarten- und Vorschulalter regelmäßig vorzulesen ist eine Chance, die Eltern nutzen sollten. Vorgelesen zu bekommen macht neugierig darauf, selbst das Lesen zu erlernen.

Doch: Wie ist es bei Schulkindern? Soll Kindern noch vorgelesen werden, obwohl sie schon selbst lesen können?
Die Antwort lautet ganz klar: Ja!
Unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Belgrad (Pädagogische Hochschule Weingarten) haben sich einige Schulen (auch meine Grundschule war dabei und wurde als „Vorleseschule“ zertifiziert) im Bereich „Vorlesen“ wissenschaftlich begleiten lassen.
Regelmäßig, also mindestens 3-4 Mal pro Woche wurde den Klassen für mindestens 10-15min vorgelesen. Dies kam bei den Kindern äußerst gut an. Sie freuten sich jeden Tag auf die Vorlesezeit, weil es eine Zeit ist, die zum Verweilen in der Geschichte einlädt, die es ermöglicht, der eigenen Fantasie nachzuhängen und sich wegzuträumen.
Das Kopfkino wird aktiviert, vor dem geistigen Auge spielt sich die vorgelesene Geschichte genauso ab, wie sich das Kind das ganze denkt. Kein vorgefertigter Film, keine vorgegebenen Bilder. Nein, das ureigene Denken und die innerste Fantasie werden aktiviert.

Und es ist erwiesen: Kindern, denen regelmäßig (mindestens 3-4 Mal pro Woche für mindestens 10-15 Minuten) in entspannter Atmosphäre vorgelesen wird, gelingen bessere schulische Leistungen. Die Noten der Kinder verbesserten sich in den Hauptfächern um bis zu eine ganze Note.
Desweiteren wurde in der Studie von Prof. Belgrad ganz deutlich, dass Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, sehr viel häufiger selbst zu einem Buch greifen um es zu lesen, als die Kinder, denen nicht vorgelesen wird. Eltern und Lehrer dienen also als sehr wichtiges Vorbild. Kinder, die nie erleben, dass ihre Eltern ein Buch lesen, werden das selber auch eher nicht tun.
Vorgelesen zu bekommen birgt noch eine weitere Chance: Auch diejenigen Kinder, die selbst Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, haben die Möglichkeit, auf diese Weise an Literatur teilzuhaben. Bücher bleiben ihnen nicht verschlossen, sondern sie bekommen auf die für sie beste Weise Zugang zu literarischen Themen. Vorgelesen zu bekommen ist zudem weniger anstrengend als selber zu lesen, weil das Entschlüsseln der Buchstaben wegfällt. Gerade Kindern mit Problemen in diesem Bereich kommt dies sehr zu Gute. Sie können sich ganz auf den Inhalt des Buches konzentrieren. Nach einiger Zeit des Trainings im Umgang mit Literatur auf diese Weise, fällt es den Kindern leichter, selbst zu lesen und die Lese-Technik sinnvoll anzuwenden.
Das Vorlesen kann noch unterstützt bzw. dessen Ergebnisse können noch optimiert werden, dadurch, dass man an geeigneten Textstellen das Vorlesen unterbricht und mit den Kindern in einen Dialog kommt. „Was meint ihr, was wird jetzt passieren?“ oder „Was hättest du an XYs Stelle getan?“ sind nur zwei von unzähligen Möglichkeiten, Kinder über das Buch zum Sprechen zu bringen und dabei die eigene Fantasie noch mehr anzuregen.

Feste Vorlesenzeiten und -rituale sind also wirklich gut einplanbar und in ihrer Wirkung nachgewiesenermaßen gewinnbringend und eine große Chance.

Quellen:
Studie von Prof. Jürgen Belgrad
Schon mit acht Monaten können Kleinkinder Bilder aus einem Bilderbuch verstehen

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