Schönschrift in der Schule – in oder out? Oder: Debatte um ein hohes Kulturgut.

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Die Handschrift der deutschen Schüler steht derzeit ja sehr in der Debatte.
Soll die verbundene Schreibschrift abgeschafft werden? Verursachen der verbreitete Umgang mit Smartphones und die Digitalisierung einen Rückgang der Schreibfähigkeit bei Kindern?

Ich möchte gerne einige Dinge aus schulischer Sicht hierzu sagen.
Schreiben ist wichtig, Schreiben ist Kulturgut. Botschaften werden übermittelt, Liebesgeständnisse gemacht, Erinnerungen für die Nachwelt festgehalten, Informationen kommuniziert. Das ist seit Generationen so und war zunächst ein Privileg, das nur dem gehobenen Teil der Bevölkerung zugänglich gemacht wurde.

In der Regel beginnen Kinder im Alter von 6 Jahren mit dem Erlernen des Schreibens in Form der Druckschrift. Das ist meinen Beobachtungen nach für viele Kinder eine feinmotorische Herausforderung. Als Ursache gilt sicher oft, dass einige Kinder nicht mehr so viel malen oder kaum noch ausschneiden, Kataloge zerschnibbeln, kneten usw. Lehrer berichten immer häufiger, dass Schulanfänger den Stift völlig falsch halten. So wird das Schreiben an sich zu einer großen Anstrengung für manche Kinder.
Diese Kinder schreiben in der Regel nicht wirklich gerne, weil sie die Dinge, die nicht funktionieren, nicht favorisieren. Deshalb ist es wichtig, dass zu Hause und in den Kindergärten die richtige Stifthaltung grundgelegt wird und die Kinder feinmotorisch aktiv sein können.

Wir als Grundschule wissen um die Bedeutung von Schrift für die Entwicklung. Vor allem die verbundene Schrift, die Schreibschrift, trägt unwahrscheinlich viel zur motorischen Entwicklung der Kinder bei. Das exakte Vollenden der Buchstaben und deren Schwünge und das sorgfältige Schreiben in die Lineatur sind ein hoher Anspruch, den Schule aus meiner Sicht unbedingt weiterhin stellen muss.
Bei uns an der Schule wird regelmäßig von der Tafel abgeschrieben, Schönschrift geübt und großen Wert auf Gestaltung gelegt. Dafür planen wir viel Zeit ein und nutzen diese ganz bewusst dafür.
Ich plädiere für den Erhalt der verbundenen Schrift, gerade im Zeitalter der Smartphones und Tablets, so dass neben dem Umgang mit whatsapp und Co. das hohe Kulturgut „Schreiben von Hand“ nicht verloren geht, sondern als wertvolles Kommunikations- und Kunstwerkzeug Bestand hat.

Gibt es Meinungen dazu?
Ich freue mich über Kommentare hier im Blog!

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7 Gedanken zu “Schönschrift in der Schule – in oder out? Oder: Debatte um ein hohes Kulturgut.

  1. Der gefährliche Trend zum Sekundärlernen mittels PC usw. (so nenne ich das) hat zur Folge, dass wichtige Grundfertigkeiten verdrängt werden. Das ist tatsächlich ein fraglicher Aktionismus, der unseren Kindern Nachteile in der zukünftigen Lebensbewältigung bringen wird und geldgieriger Lobby die Taschen füllt.
    Die Menschen sollten mehr „Angst“ vor der eigenen Verdummung bekommen.
    Liebe Grundschullehrer, kämpft weiter!

  2. Hallo Karolin,

    ein wichtiges Thema. Danke für den Denkanstoß. Ich sehe es bei unseren beiden Erstklässlern auch so, dass es wichtig ist, an der gebundenen Schreibschrift, wenn sie denn kommt, festzuhalten. Was die Stifthaltung angeht, wurde das im Kindergarten bedingt beäugt – mit unterschiedlichem Fortschritt und unterschiedlicher Veranlagung. Wir sind gespannt, wie es in der Schule damit weitergeht.

  3. Ich bin schon lange raus aus der Schule, aber ich finde es wirklich schlimm das den Kids das Schreiben mit der Hand und Stift schwer fällt. Das Jungs oft eine schreckliche Schrift haben das war irgendwie ja schon immer so. Ich finde es gibt nichts Schöneres als seine eigene Schrift zu finden. Früher hatte ich viele Brieffreunde, das kennt sicher kaum noch einer und wenn dann geht es über email oder smart. Man schreibt schon deutlich weniger mit der Hand und Stift. Ich für meinen Teil schreibe am Liebsten mit einem Füllfederhalter,bei allen anderen Stiften verkrampft sich meine Hand. Man fragt sich was passiert, wenn all das elektronische Zeug versagt, na das werde ich wohl nicht mehr erleben.

    • Danke für deine Rückmeldung. Ich selber schreibe noch heute gerne von Hand Briefe und freue mich, wenn ich welche bekomme. Ich hoffe sehr, dass diese Kultur nicht verloren geht.

  4. In unserer Schule wird mit Druckschrift begonnen und erst im Laufe der 2. Klasse eine Art Schreibschrift gelehrt. Die Schrift ist gruselig. Auch die Rechtschreibung ist furchtbar, weil darauf in den ersten beiden Schuljahren so gut wie kein Wert gelegt wurde. Schön, zu hören, dass es nicht überall so ist. Schade, dass es bei uns so ist, wie es ist…

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