Tägliches Mitgebsel. Oder: Hilfe! Hausaufgaben!

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Ich muss gestehen, ich bin ein Glückskind bzw. eine Glücksmama, was Hausaufgaben anbelangt. Denn im Großen und Ganzen machen Krissi (8), Ben und Eli (beide 6) diese selbstständig. Krissi arbeitet in ihrem Zimmer und die Zwillinge gemeinsam im Jungszimmer. Ab und zu ertönt ein Ruf: „Mama, stimmt das so?“ Und es geht nach einer Bestätigung oder kleinen Korrektur meinerseits weiter. Nach Abschluss der Hausaufgaben schaue ich nochmal drüber und sie landen in der Schultasche, bereit für den kommenden Schultag.

Als Schulleiterin weiß ich natürlich, dass Hausaufgaben nicht immer wirklich zum Familienfrieden beitragen, nein, sogar regelrechte Stresssituationen auslösen können. Gerade wenn man mehrere Schulkinder sein eigen nennt. Tag für Tag. Der Nachmittag zieht sich stundenlang so hin. Kinder beginnen gar nicht erst mit den Aufgaben, sie starren Löcher in die Luft, spitzen zum 17. Mal den Bleistift, suchen das Lineal in den tiefen Abgründen des Schulranzens, meckern und diskutieren über den vermeintlichen (Un-) Sinn dieser ihnen von der Lehrerin auferlegten Bürde. In der Zeit hätte gut die Hälfte des Pensums erledigt werden können. Eltern verzweifeln. Es zieht sich vor allem meist dann zeitlich in die Länge, wenn man noch etwas vor hat oder Termine anstehen.

Oft werde ich gefragt: Wieso muss dieses tägliche Mitgebsel überhaupt sein?

Deswegen gebe ich meinen SchülerInnen täglich Hausaufgaben:

– Das Gelernte soll zu Hause wiederholt, geübt, gefestigt und vertieft werden.

– Kinder sollen sich zu einem Thema weiterführend Gedanken machen.

– Vorbereitende Hausaufgaben: Kinder sollen Materialien zu einem bestimmten Thema sammeln oder sich vorbereitend informieren.

– Lernen von Arbeitshaltung, Durchhaltevermögen: Nicht alles, was man tun muss, macht zwingend auch Spaß. Nicht bei den Hausaufgaben und auch nicht im Leben.

– Förderung von Selbstständigkeit

– Unterstützt nachhaltiges Lernen

Meine Tipps für Zuhause:

– Ganz wichtig für Grundschulkinder sind Rituale und Strukturen, diese verleihen Sicherheit. Jeder Hausaufgabennachmittag sollte nach Möglichkeit gleich ablaufen. Manche Kinder müssen sich zuerst gründlich austoben, andere können gleich nach dem Mittagessen mit den Hausaufgaben beginnen. Das hängt ganz vom Kind ab. Suchen Sie gemeinsam nach der für das Kind besten Lösung.

– Die Gestaltung des Arbeitsplatzes spielt eine wichtige Rolle. Ein frei geräumter Schreibtisch mit genügend (Tages-) Licht bietet eine gute Grundlage. Räumen Sie Dinge weg, die die Kinder vom Arbeiten ablenken könnten. Das neueste Spielzeug sollte woanders auf das gemeinsame Spiel warten. Fernseher, Radio und PC bleiben bitte aus.

– Die Kinder sollen die Hausaufgaben selbstständig lösen. Das ist gerade am Anfang der Schulzeit noch etwas schwer. Bleiben Sie in der Nähe, erweitern Sie die Distanz aber mit der Zeit. Seien Sie bei Fragen ansprechbar, ohne dass Sie die Aufgaben für Ihr Kind übernehmen. Helfen Sie durch Bestätigung oder Impulse weiter.  Sollte eine Aufgabe für das Kind inhaltlich absolut nicht machbar sein, lassen Sie das so stehen, mit einem kleinen Vermerk für die Lehrerin.

– Geben Sie Ihrem Kind einen Zeitrahmen vor, in welchem es die Hausaufgaben machen soll. So lernt das Kind, Zeiten besser einzuschätzen und mit Inhalt zu füllen. Sie können hierfür zum Beispiel einen Wecker stellen. Berechnen Sie die Zeit anfangs jedoch nicht zu knapp. Schafft es die Aufgaben in der vorgegebenen Zeit, loben Sie es ausdrücklich dafür. Klappt es noch nicht, machen Sie für die Lehrerin eine Notiz (am besten sprechen Sie das vorab mit der Lehrkraft so ab).

Ich empfehle folgende Zeiten für die Hausaufgaben:

Klasse 1 und 2: 30-45 Minuten

Klasse 3 und 4: 60-70 Minuten

– Überaus wichtig für Kinder ist das Lob der Eltern! Loben Sie Ihr Kind für dessen Erfolge und (teilweise kleinen) Fortschritte. Das stärkt unheimlich. Unterstreichen Sie mit Worten, dass Sie eine selbstständig erledigte Arbeit Ihres Kindes richtig klasse finden! Das genau ist es nämlich. Sagen Sie das. Streichen Sie Ihrem Kind anerkennend über den Kopf. Seien Sie geduldig, auch wenn es oft schwer fällt. Sätze wie „Kannst du das immer noch nicht?“ demotivieren und veranlassen schnell zum Aufgeben.

– Sollten die Probleme mit den Hausaufgaben dauerhaft sein und nicht lösbar, suchen Sie das Gespräch mit der Lehrerin, um individuelle Lösungsansätze zu finden und Vereinbarungen zu treffen. Es könnte beispielsweise helfen, mit kleineren Hausaufgabenportionen dem Kind zu zeigen, dass die Dinge in der Tat machbar sind und dass es die Aufgaben gut schaffen kann. Dann kann das Pensum immer noch gesteigert werden.

Haben Sie noch weitere Fragen, Erfahrungen oder Tipps für bzgl. Hausaufgaben?

Dann freue ich mich über Ihre Kommentare hier im Blog!

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5 Gedanken zu “Tägliches Mitgebsel. Oder: Hilfe! Hausaufgaben!

  1. Ich habe mich damals immer selbst zu meinem (jetzt großen Kind) an den Tisch gesetzt und auch „Hausaufgaben“ gemacht. Hat zumindest bei ihm motivierend gewirkt. Sollte das bei meinem Zwillingen später auch funktionieren, werde ich einen Erziehungsratgeber schreiben 😉

  2. Danke für den schönen Beitrag. Hatte ich ja bei Twitter schon geschrieben. 🙂
    Meine Töchter (Zwillinge) tun sich leider schwer mit den Hausaufgaben und ich versuche das Problem zu ergründen.
    Hoffe ich finde bald eine Lösung.

  3. Nach 15 Minuten Diskussion kann es endlich los gehen …nach weiteren 7 bis 9 Minuten ist alles erledigt 😉 ( Sohn, 2. Klasse)

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