Milchstau, Quark und Schlafentzug. Oder: Bilanz einer Überlebenden.

Blogparade
Überlebenstipps für Zwillingseltern in den ersten 12 Wochen. Das ist das Thema der ersten Blogparade, an welcher ich heute teilnehme. Das Thema springt mich förmlich an, denn:
Ich habe es überlebt. Ich. Habe. Es. Überlebt. Ü-ber-lebt.
Nur wie? Es muss ein Wunder gewesen sein, denn damals, live und mittendrin, habe ich in manchen Augenblicken wirklich an einer Überlebenschance gezweifelt. Damals, d.h. in meinem Fall vor ziemlich genau sechs Jahren. Ich überlege und versetze mich in die Zeit zurück, als Ben und Eli geboren wurden.

Krissi ist ein Jahr alt, als unsere Zwillinge Ben und Eli das Licht der Welt erblickten und ihre „große“ Schwester zu einem der drei Pseudodrillinge machte. Konkret bedeutet das, dass mein Mann Joe und ich über ein Jahr lang nicht sehr verwöhnt waren, was das Schlafen anbelangt. Schlimmer konnte es gar nicht werden. Dachten wir.

Ben und Eli sind wenige Wochen alt. Ich hingegen fühle mich in den wenigen Wochen um Jahre – um nicht zu sagen Jahrzehnte – gealtert. Ich will schlafen. Darf aber nicht. In Ratgebern steht, man solle die Stillpausen nutzen, um Ruhe zu haben. Stillpausen gibt es hier nicht. Einer hat ständig Hunger. Und wenn es die Babys nicht sind, dann ist es Krissi.
Dabei wird nicht unterschieden zwischen Tag und Nacht.
Da ich zu fiesen Milchstaus und Brustentzündungen neige, muss ich mich auch bei Nacht konsequent an einen Ablauf halten, um den Qualen und dem hohen Fieber vorzubeugen. Konkret heißt das: 20-30 Minuten vor dem Stillen muss die Brust mit einem Dinkelkissen angewärmt werden, um den Milchfluss anzuregen. Ich gebe zu, das klingt nicht wirklich sexy… Danach pumpe ich ca. 30 Minuten lang Milch ab, da Ben und Eli nur aus der Flasche trinken. Die beiden brauchen 45 Minuten, um ihr Fläschchen auszutrinken. Bäuerchen machen. Zwei Stunden sind vorbei. Im Idealfall schreien die Jungs nun nicht schlafen die beiden weiter. Ich dagegen gehe im Halbschlaf zum Kühlschrank und suche den letzten Quarkbecher heraus, um daraus nach einer gewissen Zeit fürchterlich stinkende wohltuend kühlende Quarkwickel zu machen, um die Brust zu beruhigen. Auch nicht sexy, aber das ist nun sowieso schon egal. Eine knappe halbe Stunde später schmatzt es schon wieder verdächtig aus dem Babybett. Und es geht wieder von vorne los. Dinkelkissen und so… siehe oben halt.

Schlafen ist das zweite zentrale Thema bei uns. Krissi schläft nur, wenn Joe bei ihr im Zimmer schläft. Ich kümmere mich also bei Nacht um die Zwillinge.
Wenn Eli wach wird, schläft er nur wieder ein, wenn man ihn (ungelogen!) bis zu zwei Stunden am Stück im Schlafzimmer herumträgt. Wenn ich keine Kraft mehr habe, fahre ich ihn im Kinderwagen im Wohnzimmer hin und her. So schiebe ich ihn Nacht für Nacht mehrmals. Ich setze mich auf das Sofa, weil ich wahrlich zum Umfallen müde bin und bewege den Wagen mit dem Fuß vor und zurück. Eli bemerkt das sofort und schreit wie am Spieß, so dass ich umgehend wieder vom Sofa aufstehe und im Halbschlaf den Kinderwagen irgendwie im Zimmer herum schiebe. Sobald das Gefährt zum Stehen kommt, reißt er die Augen auf. Also, weiterschieben.
Doch was ist das? Ich höre doch etwas!? Ben! Auch er ist wach. Im Schlafzimmer. Ich renne los, lasse den Kinderwagen im Wohnzimmer stehen und hoffe, dass ich schneller bin als Elis Gespür für schaukelnde Wagen. Bin ich natürlich nicht. Auch Eli schreit also. Was nun? Wenn ich Ben zu Eli in den Wagen lege, schläft keiner mehr ein, weil sie sich gegenseitig in die Ohren brüllen würden. Krissis Puppenwagen ist die Lösung! Ich lege Ben dort hinein und schiebe und ziehe beide Wagen bis die Zwillinge endlich schlafen. Ich selber schaffe es nicht bis ins Bett und falle todmüde auf das Sofa.

Sechs Jahre sind seither vergangen. Und ja: Ich habe es überlebt.
Woher nahmen wir die Kraft, dies doch alles irgendwie zu schaffen?
– Zum einen empfehle ich DIE Blitzlösung schlechthin, die immer und augenblicklich half und auch heute noch hilft: Sich neben das Kinderbett stellen, in die süßen Gesichtchen der selig schlafenden Zwillinge zu blicken (falls sie doch mal eingeschlafen sind), sofort sind Müdigkeit und schlaflose, sich wie Kaugummi dehnende Nächte vergessen (zumindest bis zur nächsten Nacht). Oder einfach das Lachen und die strahlenden Augen der Kinder bewusst genießen. Es gibt nichts Schöneres im Leben. Und das ganze im Doppelpack – welch‘ ein Geschenk!
Raus! Ja, genau: Wann immer sich die Möglichkeit bietet, einfach raus an die frische Luft. Bewusst ganz tief ein- und ausatmen, idealerweise eine halbe Stunde spazieren gehen. Das befreit und wirkt wahre Wunder!
Niemals, wirklich niemals den Humor verlieren. Ich gebe zu, das ist meistens sehr, sehr schwierig, war aber für mich ein wichtiger Bestandteil. Über so manche Situation und v.a. über sich selbst und auch mit dem Partner lachen zu können, macht das Ganze um ein Vielfaches leichter.
Die Hoffnung nicht aufgeben. Immer wieder las ich in Zeitschriften und Foren, dass die Kinder spätestens nach 6 Wochen viel besser schlafen würden. Dann hieß es: Wenn sie erst mal 3 Monate alt sind, wird es viel leichter. Ich hoffte immer weiter. Dass Ben und Eli knapp 3 Jahre alt waren, als sie zum ersten Mal durchschliefen, sollte ich vielleicht hier an dieser Stelle nicht erwähnen 😉.
Ich sage nur ein Wort: Liebe. Hier bei uns in Gestalt eines liebenden Ehemanns und liebender Großeltern. Sie alle sind unersetzlich. Herzlichen Dank an dieser Stelle auch nach sechs Jahren noch ein Mal. Man kann dafür gar nicht oft genug Danke sagen.

Ben und Eli werden exakt heute eingeschult. Und ich gestehe, ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass wir die ersten wirklich herausfordernden Monate und auch Jahre so gut zusammen hinbekommen haben und freue mich sehr auf die Aufgaben, die noch vor uns liegen!

Weitere interessante Artikel im Rahmen der Blogparade zum Thema „Überlebenstipps für Zwillingseltern in den ersten 12 Wochen“ sind hier zu finden:

Anni schreibt „Zwillinge. Eine Gebrauchsanweisung“ zu finden hier: www.einerschreitimmer.com

Kerstins Beitrag heißt „Wie packen Mama und Papa die ersten Wochen mit uns?“ und kann hier gefunden werden www.chaoshoch2.com

Melanies Artikel trägt den Titel „Überlebenstipps für Zwillingseltern in den ersten 12 Wochen“ und ist hier zu lesen: www.2inside4life.wordpress.com

Viel Freude und Ermutigung beim Nachlesen!

Ihr seid auch Zwillingseltern und habt selber noch gute Tipps für Anfänger parat? Dann laden wir euch herzlich ein, bis zum 8. Oktober bei unserer Blogparade mitzumachen!
Beteiligt euch in den Kommentaren unserer Blogs oder auf euren eigenem Blog mit einem Beitrag. Bitte hinterlasst in den Kommentaren einen Link zu eurer Veröffentlichung, damit ihr von uns und allen anderen gefunden werden könnt.
Wir freuen uns auf all eure Tipps und Ratschläge!

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4 Gedanken zu “Milchstau, Quark und Schlafentzug. Oder: Bilanz einer Überlebenden.

  1. Pingback: Blogparade: Die ersten 12 Wochen mit Zwillingen | Chaos²

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