Grimassen im Hühnerstall. Oder: Exklusive Locations

Wer kennt sie nicht, die Situation beim Abendessen…Wir alle Mama und Papa möchten in Ruhe mit den Kindern am Tisch sitzen und somit schon auf den Abend vorbereiten bzw. die darauffolgenden beruhigenden Zu-Bett-geh-Rituale einleiten.
Pustekuchen. Krissi (7), Ben und Eli (beide 5) sind heute so aufgedreht, wie selten, so wie man es sich nur kaum vorstellen kann. Lachend und glucksend erscheinen sie im Esszimmer.
Ben tritt mit einer eben von ihm neu entdeckten Grimasse auf die Bühne an den Esstisch, die er natürlich unbedingt allen vorführen muss.
Krissi bringt ihr neuestes Gedicht zum Vortrag, welches den Titel „Aufregung im Hühnerstall“ trägt, alle (naja, ich versuche, mir ein Lachen zu verkneifen, schaffe es aber nur kläglich) damit unverzüglich in ihren Bann zieht und unheimlich treffend zu ihrem Gegacker passt. Hühnerstall eben.
Eli ahmt Bens Grimasse nach und versucht, Krissi in deren Dichtkunst zu übertreffen, verschluckt sich dabei an seiner Apfelschorle und prustet diese exakt auf sein Gegenüber mich.
Zwei relativ ernste Gesichter blicken recht verwirrt drein (von einem tropft zudem klebrige Apfelschorle), weil sie eigentlich anderes beim Essen gewöhnt sind. Die drei lassen sich nicht beruhigen, sämtliche Verweise auf gutes Benehmen und die eingeübten Tischmanieren fruchten heute nicht ansatzweise.
Da hilft nur noch Handeln (denken wir und werfen unser pädagogisches Geschick in die Waagschale):
So schicken wir Eli mitsamt seinem Teller in die Küche, um die Situation etwas zu entzerren. Da unsere Wohnräume alle offen sind, bemerken wir schnell, dass er das absolut cool findet und er beschließt, in Zukunft immer hier zu essen, stehend an der Arbeitsfläche. Na super.

Krissi rezitiert ihr Hühnergedicht fortwährend, erfährt dabei einen Lachanfall nach dem anderen, und bekommt wie Eli einen neuen Essplatz, in der Diele steht ein Schränkchen, welches sich höhenmäßig als Tellerablage für Krissi eignet. Nicht so geschickt war bei dieser Entscheidung, dass sie nun unmittelbar vor dem Spiegel steht während ihres Essens, was sie in ihrem Anliegen, ihren Gedichtvortrag zu optimieren, nur noch mehr bestärkt. Bingo.

Ben isst mittlerweile so, wie man sich das als Eltern wünscht. Immerhin ein Volltreffer!

Allerdings schaut er nachdenklich drein und irgendwie ahne ich, dass er über irgendetwas sehr angestrengt grübelt.
„Papa“, sagt er plötzlich und deutet aus dem Fenster, „draußen im Garten wäre noch ein Plätzchen für dich frei. Du hast soeben den Käse in der Käsedose und nicht auf dem Brett geschnitten!“

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2 Gedanken zu “Grimassen im Hühnerstall. Oder: Exklusive Locations

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