Das Leben einer Familie mit Tochter und Zwillingsjungs auf tiefstem Lande!

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Sehnsucht nach einem Mäuseloch. Oder: Manns-Bilder beim Kinderarzt

Ärztliche Vorsorgetermine, in der Regel mit einem U und einer Zahl betitelt, sind immer wieder Highlights und für viele Mamas heißgeliebte Gelegenheiten, untereinander die Fähigkeiten ihrer Sprösslinge zu vergleichen. Wieso kann das nicht einfach als Austausch geschehen, sondern mündet diese Thematik bei vielen in einem Konkurrenzkampf?

“Waaaas? Das kann deine Tochter noch nicht? Das konnten wir schon vor einem halben Jahr!”

“Ui, so schwer ist dein Junior und dabei so klein?”

“Also, den Namen sollte man mit 4 Jahren vorwärts und rückwärts schreiben können!”

Ich halte nichts von diesen Vergleichen, weil sich Kinder so unterschiedlich entwickeln. Ich sehe es bei meinen Zwillingen, Ben und Eli. Mal ist in einem Bereich der eine etwas weiter, dann wird er aber plötzlich von seinem Bruder wieder überholt. Und so wechselt das zwischen den beiden. Und genauso ist es ok. Ich vergleiche die beiden nicht, obwohl das manchmal so nahe liegt, sind sie doch exakt gleich alt und genießen die gleiche Erziehung.

Wir hatten vergangene Woche also wieder Vorsorgeuntersuchung, U8. Am Mittwoch mit Eli, am Donnerstag mit Ben.

Die beiden haben alles prima hinbekommen.

Eli, der für sein Leben gerne redet und einen sehr ausgeprägten Wortschatz hat, erzählte unserem Kinderarzt von seiner großen Liebe.

Kinderarzt: “Hast du denn auch Freunde im Kindergarten, mit denen du spielst?”

Eli: “Ja, klar hab ich das. Aber das Beste ist, ich habe eine Freundin, die Lina, weißt du, die ist so süß und blond, die liiiiieb ich so!”

Auch Malen stand auf dem Programm.

Eli war recht schnell fertig mit seinem Gemälde. Soweit, so gut, der Arzt ganz zufrieden, Eli froh, dass es vorbei war: “Gehen wir nun endlich heim? Ich hab noch so viel vor heute.”

Auch Ben bekam die Aufgabe: “Bitte male auf dieses Blatt einen Mann.”

Ben begann hochkonzentriert und begeistert zu malen. Der Mann erhielt einen Kopf mit Augen, Nase, Mund und sogar Ohren. Schwebende Haare. Keine Arme. Aber sehr lange Beine mit Füßen.

“Ich bin färtig!” erklärte Ben stolz.

“Aber Ben, schau mal genau hin, da fehlt noch etwas.”, meinte der Kinderdoc.

“Nein, das Bild ist fäärtig.”

“Du hast aber etwas ganz wichtiges vergessen, das malst du noch hin, ja?”

Ein Grinsen legte sich auf Bens Gesicht und ich ahnte sofort, dass er keine Arme malen wird.

Ben schnappte sich hochmotiviert den Bleistift und legte los.

Ich sehnte mich nach einem Mäuseloch, in welches ich mich verkriechen konnte.

Statt dessen sah ich mir gegenüber einen Arzt, der sichtbar Probleme hatte, sich ein Lachen zu verkneifen.

Ganz stolz, strahlend und siegessicher legte Ben den Bleistift auf den Tisch zurück.

Er hatte in aller Deutlichkeit und unverkennbar, das Merkmal gemalt, welches sein Kunstwerk zum Mann machte.

Einziger Kommentar unseres Arztes: “Aber den Stift halten sie vorbildlich, alle beide!”

zensiert ;-)

Klotüre und Kindergarten. Oder: Typisch, Zwillinge!

Montag, 12 Uhr. Der Kindergarten ist aus, die Kinder kommen mit dem Bus hier im Dorf an.

Krissi steigt wie immer fröhlich aus. Ben und Eli warten normalerweise  erst mal ab, ob ich mit dem Auto an der Bushaltestelle warte oder ob ein Fußmarsch nach Hause ansteht. Sie recken ihre Hälse schon wenn der Bus in der Anfahrt auf die Haltestelle ist. Heute steigen sie weinend aus, obwohl mein Auto unübersehbar in vorderster Reihe parkt.

Einer schreit mehr als der andere.  Mitleidige Blicke werden mir zugedacht.

Ich versuche , herauszufinden, was der Grund des Weinens sein könnte. Ben streckt mir seinen Finger entgegen. “Daaahaaa!! Auaaaaa!” Ich kann nichts entdecken, keine Spur.

Eli weint nicht ganz so stark, aber auch er hält mir seine Hand direkt vor die Augen. Ich sehe sofort, dass sein Mittelfinger total angeschwollen und der Fingernagel blutunterlaufen ist. Schnell nach Hause, kühlen. Krissi erklärt mir auf der Heimfahrt ganz aufgeregt, dass Eli seinen Finger in die Klotüre im Kindergarten geklemmt habe.

Eli beruhigt sich zunehmend. Ben nicht, im Gegenteil. Als ich später Joe von dem schmerzvollen Vorfall berichte, bricht Ben wieder in Tränen aus, während es Eli schon wieder gut geht.

So weit geht Solidarität unter Zwillingen. Auch wenn ich das nun nicht zum ersten Mal erlebt habe, fasziniert es mich immer wieder aufs Neue.

Strumpfhosen und Milchüberschwemmung. Oder: Mama ist die Letzte – immer und überall.

Krissi (5), Ben und Eli (3) sind Frühaufsteher.

Frühstaufsteher, um genau zu sein. Ausschlafen bedeutet bei uns, dass die Kinder aus Versehen mal bis 6.15Uhr verschlafen. Und das kommt selten vor.

Drei Kinder im Badezimmer, alle wollen gleichzeitig von ihrem Schlafgewand befreit werden, aber nicht wirklich viel selbst daran mitwirken.

So zieht sich das hin. Krissi ist noch nicht ganz wach (wieso bleibst du nicht einfach noch eine halbe Stunde im Bett??) und zieht sich ihre Schlafanzughose wieder an, nachdem sie sie eben endlich ausgezogen hatte.

Ben und Eli diskutieren währenddessen lautstark darüber, wem von den beiden denn nun welche Strumpfhose gehört – dabei spielt es keine Rolle, dass die beiden Exemplare exakt die  gleichen sind.

Irgendwann sind alle angezogen. Am Frühstückstisch bekomme ich fast die Krise, weil Eli zum dritten Mal meint, seinen Speisewunsch umändern zu müssen:

“Ich möchte bitte Nutella!”

“Eben wolltest du noch Honig, Eli.”

Missmutig nagt er an seinem Honigbrot herum. In der Zwischenzeit stützt sich Krissi mit dem Ellenbogen auf ihrem Marmeladebrot auf, natürlich haben wir heute das weiße Oberteil an. Ich schicke sie zum Umziehen…das wird dauern.

Ben erklärt mir, dass er erst in 10 Minuten Hunger haben wird, er habe doch eben erst zu Abend gegessen. So viel zum Zeitgefühl von Kindern.

Eli gießt seine Milch aus – nicht nur über den Tisch sondern auch über seinen Pulli und die Hose.

Ich rase die Treppen hoch, um ihm neue Kleidung zu holen. Als Ben Eli sieht, besteht er sofort darauf, auch umgezogen zu werden. Zwillinge durch und durch. Ich bin schon jetzt gespannt, wann die beiden verschiedene Klamotten akzeptieren werden.

Als endlich alle wieder angezogen sind, nutze ich diese Phase, um selbst ins Badezimmer zu gehen. Einen (!) Lidstrich und aufgetragenen Lidschatten später, werde ich gebraucht, das Lenkrad des Feuerwehrautos muss mit Sekundenkleber an seine ursprüngliche Stelle platziert werden, sonst kann unmöglich weiter gespielt werden. Dabei komme ich durch die Küche und stelle erschrocken fest, dass ich die Brotdosen vorhin zwar bereit gestellt aber noch nicht mit Inhalt gefüllt habe. 3 Äpfel schneiden, Joghurts aus dem Kühlschrank nehmen – eines fällt runter…Putzzeug aus dem Schrank nehmen…wischen…Brotdosen in die Kindergartentaschen  stecken.

Ben ruft: “Maaaaamaaaa!!! Ich brauhauche eiheinn Pflahaster!!” und streckt mir seinen Finger entgegen, an welchem ich beim besten Willen nichts verletzungswürdiges entdecken kann. Ich mache ihm ein Wunderpflaster dran. FEHLER! Nun kommen auch Eli und Krissi und haben am jeweils gleichen Finger große Schmerzen. Drei Kinder mit Pflastern an den gleichen Stellen…Nun ja.

Mittlerweile ist es höchste Zeit, dass wir uns anziehen. Jeder war auf dem Klo. Noch ist es morgens draußen nicht allzu warm, also folgt das große Programm, bis auf Handschuhe. Stiefel, Schals, Mützen und Jacken hoch  3 sind eine Herausforderung!

Wir können los.

Ähm, wäre verdächtig normal. Natürlich muss Krissi nun doch noch auf die Toilette. “Ich musste aber eben noch nicht, erst jetzt!” Sie zieht sich wieder aus, aus irgendwelchen Gründen auch die Schuhe(?). Während wir so warten, müssen Ben und Eli auch nochmal. So langsam wird mir warm. Auf die Uhr schaue ich lieber nicht.

Dafür erhasche ich durch Zufall einen Blick in den Spiegel und mir fällt schlagartig auf und ein, dass ich mein Schminken nur halb fertig bekommen habe. Ich eile ins Badezimmer, um mit minimalem Aufwand maximales Herauszuholen, Schaden zu begrenzen. Oh Gott, meine Haare…Augen zu.

Zurück zu den Kindern, die mittlerweile alle wieder angezogen in der Diele stehen und mich anlächeln *schwärm*. Was gibt es schöneres, als das Lachen der Kinder?

Ich weiß da was. Die nächste Frage nämlich, sie kommt von Eli:

“Mama, warum bist du denn immer als Letzte fertig am Morgen?”

Pünktlich erreichen wir den Kindergarten und ich die Schule.

Ein ganz normaler Vormittag.

 

Tickets in die Zukunft. Oder: Mathe für Fortgeschrittene

Krissi (5), Ben und Eli (3) gehen in den Kindergarten.

Da bei uns im Dorf kein Kindergarten vorhanden ist,

fahren sie mit dem Bus in das nächste Städtchen,

bzw. nach dem Besuch des Kindergartens wieder nach Hause.

Hierfür benötigen wir jeden Monat 3 Fahrkarten.

In der ersten Novemberwoche sind Herbstferien.

In den Schulferien fahren bei uns im Dorf keine Busse (!!),

also kaufe ich die Fahrkarten erst, als der Monat schon einige Tage alt ist.

“Guten Tag, ich hätte gerne 3 Kinder-Fahrkarten bitte!”

Der Busfahrer drückt angespannt an den Knöpfen seiner Kasse herum.

Nach einer Weile sagt er:

“Das macht 12,10Euro.”

“Ähm, ich brauche nicht nur eine Fahrkarte.”

“Achja, 4 waren das, nicht wahr?”

“Drei.”

“Ja, richtig. Macht 36,60Euro.”

“Fast, ja.”

Ich gebe ihm 40 Euro.

Ich bekomme drei Fahrkarten und 2,20 Euro zurück.

Ich verzichte auf eine weitere Rückmeldung und verabschiede mich freundlich.

Schließlich ist er sicher in Eile.

Zu Hause schreibe ich die Namen der Kinder auf die Fahrkarten.

Erst jetzt sehe ich,

dass ich 3 Dezemberfahrkarten

bekommen habe.

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