Das Leben einer Familie mit Tochter und Zwillingsjungs auf tiefstem Lande!

Anlässlich des heutigen Tages

fällt mir eine Geschichte ein,

die ich vor ein paar Jahren erlebte,

als ich eine Klasse und meine Kollegin

auf dem Schulausflug begleitete.

Die Kollegin hatte den Ruf,

sehr konservativ zu sein

und dazu noch streng – eine Strafe folgte meist sofort auf eine Handlung.

Zwei Jungs gingen neben der Klassenlehrerin,

ich dahinter.

Der eine Junge forderte den anderen, nicht sehr beliebten Jungen auf,

folgendes Rätsel zu lösen (natürlich hörte die Klassenlehrerin mit):

“Nenne mir ein Wort, das mit A beginnt und mich och aufhört!”

Kleine Anmerkung: Alleine das Nennen des erwarteten Wortes

hätte meine damalige Kollegin nicht geduldet.

” Das ist ja einfach!! Aschermittwoch!”

Tja, manchmal geht ein Schuss nach hinten los.

Der Schüler erhielt natürlich anstelle der vom anderen

erhofften Strafe

eine gute Portion Lob

;-)

Wir machen Wellness-Urlaub.

Mein Mann und ich.

Herrlich.

Danke an Oma und Opa,

die Krissi, Ben und Eli in der Zeit

hüten.

So freuen sich alle.

Die Kinder auf eine tolle Zeit,

wie man sie nur bei Großeltern erlebt,

Oma und Opa auf viel Action,

und wir auf Erholung vom Alltag.

Auf jeden Fall möchte ich,

endlich in unserem Wellvital-Hotel angekommen,

nur noch ausruhen.

Joe versucht,

mich

zu einer Winterwanderung im schönen Allgäu zu motivieren.

Ich liebe Spaziergänge und die Natur.

Aber nicht heute, und so zögere ich und finde einige merkwürdig klingende Ausreden.

PLÖTZLICH:
GEDANKENBLITZ!!

“Joe! Wann bist wanderbereit? Lass uns sofort los!!”,

überrasche ich meinen Mann.

Mir fiel nämlich ein,

dass auf der geplanten Wanderroute

eine Schokoladenfabrik liegt,

die unheimlich verführerischen

Marzipan-, Trüffel- und Pralinenbruch

zum Kauf anbietet!

Ich lege ein riesiges Tempo vor,

fühle mich wie von einem, was sag ich, vielen Magneten angezogen.

SCHOKOLAAAADE – ICH KOMME!

Mit meinen Schätzen in der Tasche

gehen wir weiter.

Joe, mittlerweile wieder redseliger weil ich viel langsamer,

erläutert mir die weitere Route.

2,5 Stunden ungefähr soll sie dauern.

Ok.

*Schokolade* *ommmmm*

Nach wenigen 100 Metern

ertönt ein Jammern

neben mir.

Von Joes Wanderschuh löst sich die Sohle etwas.

“Wir können ja notfalls ( ;-) ) auch umkehren.”,

schlage ich ihm vor.

“Nein, nein, das geht schon.”

Nach kurzer Zeit

löst sich Sohle Nummer 2.

Wir kehren um.

Gerade als ziemlich viele Menschen in unserer Nähe sind,

verliert Joe die erste Sohle komplett.

Sohle 1 ist ab!

Sohle 1 ist ab!

Sohle 2 folgt umgehend.

Beide Sohlen fehlen - huhu Socke!!

So gehen wir nun eben (notgedrungen..hihi..) in die Sauna.

Ich wäre ja sehr gerne gewandert.

Tja.

Schade.

Schokoladen- und Schuhsohlenbruch ist

DIE ideale Kombi.

;-)

Hier in der überwiegend

katholisch geprägten Gegend Oberschwabens

ist der Namenstag zum Teil noch ein richtiger

Feststag.

Als ich selber noch Kind war,

hatte der Namenstag die gleiche Wichtigkeit,

wie der Geburtstag.

Gäste kamen,

es gab Geschenke,

und man stand einen Tag lang im Mittelpunkt.

Als kleine Erklärung:

Hinter jedem Namen steht ein Heiliger,

der an einem bestimmten Tag im Jahr gefeiert wird.

So hat jeder einmal im Jahr Namenstag.

So auch Eli in den letzten Tagen.

Wir feiern dies nicht so groß,

wie einen Geburtstag,

aber der Namenstag ist dennoch ein

besonderer Tag.

Nun gibt es aber ein Problem.

Ben und Eli haben an verschiedenen Tagen Namenstag,

weil sie ja verschiedene Namen tragen.

Das.Geht.Gar.Nicht.

GAAAAAR.NICHT!

AUFSTAND!!

REVOLTE!!

Gedanklich spule ich das Band des Lebens

3,5 Jahre zurück

*trrrrrrrrrrrrrrrrr*

“Herzlichen Glückwunsch, auch der zweite Junge ist da!”,

höre ich den Chefarzt sagen.

“Wie soll er denn heißen?”

“Auch Ben natürlich!”,

antworte ich.

Ben und Ben.

Ben Eli und Ben Eli.

Oder doch Eli und Eli.

Eli Ben und Eli Ben.

Wie kann man Zwillingen nur

unterschiedliche Namen geben?

Was hätte ich mir ersparen können?

Zeter und Mordio!

Sodom und Gomorrha.

“Ihich wihill ahaber heute auhauch Namenstag haben,

wiehie meihein Bruhuhudäääär!”

“Ben, du hast im Dezember Namenstag,

dann feiern wir auch schön.”,

versuche ich zu erklären.

Mit Betonung auf “versuche”.

Ben lässt sich kaum beruhigen.

Das ist ja auch schwer für einen Zwilling,

nicht mit seinem Bruder gemeinsam gefeiert zu werden,

wo doch alles sonst immer gleich sein muss.

Sogar die Unterhose.

Täglich.

Zu guter Letzt bringt Krissi

ihre Wünsche an.

“Du Mama, ich könnte doch auch Eli heißen, oder? Wenigstens für heute!”

An zukünftige Mehrfach- bzw. Zwillingseltern:

Geben Sie Ihren Zwillingen identische Namen,

oder erfinden Sie den Namenstagskalender neu.

So wie wir.

Ben und Eli haben nun jeweils

2 Mal im Jahr Namenstag.

Und sind wieder

mega glücklich.

:-)

Und wir auch!

Unsere täglichen Elternpflichten wahrzunehmen

bedeutet u.a.

Grenzen zu setzen

bzw. Regeln konsequent einzufordern.

Ha. Ha. Ha.

Dass dies nicht immer auf promptes

Hurra und Willkommen stößt,

wird immer wieder offensichtlich.

Aufräumen ist z.B. so ein Thema.

Bevor ein Spiel nicht weggeräumt ist,

darf kein neues aus dem Schrank genommen werden.

So denken wir uns das zumindest.

Eli (3) sieht das etwas anders.

“Dann geh ich sofort zu meiner Oma!”,

beschließt er.

Oma wohnt 30km entfernt.

Ben schließt sich zwillingssolidarisch an und nickt inbrünstig und möchte

sofort seine Sachen packen.

Krissi (5) sagt nach kurzem Nachdenken mit ihrem

intelligentesten Blick:

“Da wirst aber zu Fuß schon ein paar Jahre unterwegs sein.”

” Ach! Ist das länger als fünfzighunderteinhalb Zentimeter?” wirft Eli ein.

Krissi: “Mit dem Auto ist es nur eine halbe Stunde!”

Eli wird zusehends unruhiger,

er denkt über weitere Maßnahmen nach.

“Mennometer! Ich.Habe.Doch.Keinen.Führerschein!”

*Denkpause*

“Mama!

Maaaaamaaaa!!!

Ich brauche endlich einen Führerschein!

Wo kann man den kaufen? Im Führerscheingeschäft?”

“Da musst noch ein paar Jährchen warten,

und dann musst in die Fahrschule gehen”,

versuche ich zu erklären.

“Hm, wie oft muss ich noch schlafen?”

Ich hole den Taschenrechner.

14,5 Jahre ungefähr…

“5292 Mal, Eli.”

Er strahlt über das ganze Gesicht.

“Boah, coolio! Und dann fahr`ich zu Oma,

wenn ich meine Puzzleteile nicht aufräumen will!”

Ben nickt weiter,

er hat mittlerweile schon seine Mütze und die Handschuhe angezogen

und seine großen Augen

zeugen von Begeisterung!

Ich werde euch in 5292 Tagen an euer Vorhaben erinnern,

Ben und Eli.

:-)

Es ist mal wieder einer dieser Tage,

den man aus dem Kalender streichen möchte,

oder den man fluchtartig in

eine andere Zeit hüpfend,

hinter sich lassen möchte.

Nachdem wir hier in der letzten Zeit

das Krankenlager hätten ausrufen können,

tanke ich gerne noch etwas Kraft,

denn die Reserven sind

aufgebraucht.

Ich liege mit  Ben und Eli (3)

im Ehebett und wir

haben es einfach so richtig gemütlich.

Alle genießen es.

 Das Telefon klingelt.

Da die Zwillinge mittlerweile auch sehr gerne telefonieren,

entbrennt natürlich sofort

ein heißer Wettlauf zum Nachttisch,

auf welchem der Ruhestörer liegt.

Ben siegt und meldet sich:

“Ja, hallo?”

….

“Ja, ich bin Ben.”

“Nein, meine Mama kann nicht ans Telefon kommen.”

“Nein, das geht gerade im Moment nicht.”

“Meine Mama liegt mit zwei Männern im Bett!”

Pause.

“Hallo?”

Pause.

“Mama, deine Kollegin hat einfach aufgelegt.”

Ich freue mich sehr  auf meinen nächsten Arbeitstag,

denn Ben weiß nicht,

welche meiner Kolleginnen

am Telefon war.

Ben und Eli

sind bekanntlich Zwillinge.

Sie haben vieles gemeinsam,

hatten die ersten 9Monate

-na, sagen wir  8 Monate-

eine gemeinsame Bauchwohnung,

hatten es ganz eilig und wollten alle beide

4 Monate zu früh zur Welt kommen.

Sie beschlossen nach gutem Zureden

und weiteren Maßnahmen,

nur 6 Wochen zu  früh

fristlos ihre

Wohnung zu kündigen.

ABER:

Es gibt einen wesentlichen

Unterschied zwischen den beiden:

Ben bat Eli (beide 3) um

ein Spielzeug.

Eli wies ihn zurecht:

“Du musst BITTE sagen,

wenn du was haben möchtest.”

Ben erklärte in überlegen wirkender Manier:

“Nein, ich hab in meinem

Leben schon so oft “BITTE” gesagt.

Ganz besonders in den 2 Minuten,

die ich vor dir auf der Welt war.”

Wäre interessant zu wissen,

was dieses Bitten beinhaltete.

;-)

Wenn man so durch die Gegend spaziert

hier im Dorf,

kann man wirklich interessante Entdeckungen machen.

Aber nicht jeder,

sondern nur diejenigen,

die sich bei tagsüber zweistelligen Minustemperaturen

hinaus ins Freie trauen.

So sieht man Fische im Rasen,

zwischen Grasspitzen und angewehten Schneeresten.

Pommes sprießen zwischen den Nadelbäumen,

als hätten sie nie etwas anderes getan.

Hähnchenschlegel ruhen sich auf der Terrasse aus.

Pizzas liegen am Rande eines Gartenweges,

als wären sie dort festgewachsen.

Wieder zu Hause,

schmeiße ich schnell

Kroketten,

Erbsen,

selbstgemachte Spätzle und Lasagne

zur Terrassentüre hinaus.

Es ist die Zeit gekommen,

Gefrierschränke und -truhen

abzutauen und zu enteisen.

Wie praktisch,

wenn man als Ersatzlagerstätte

die Natur nutzen kann!

Wenn man einen verantwortungsvollen Beruf ausübt,

kann so manches schief gehen.

Irgendwelche Dinge werden nicht zeitgerecht erledigt,

Abgabetermine verpasst,

Aufträge platzen,

die Konkurrenz triumphiert einmal mehr,

Präsentationen werden in den Sand gesetzt,

Pausen überzogen (natürlich wird man vom Chef ertappt…)

usw.

Was ist das schon?

Wenn du zu Hause nicht

rund um die Uhr

aufmerksam bist wie ein Luchs,

steckt dein Kind mit dem Hintern im Klo,

Arme und Beine zeigen nach oben,

es lässt die Tür des Gefrierschrankes über Stunden offen

oder verzieht sich in dein Arbeitszimmer,

um aus wichtigen Unterlagen

mangels diesjährigen Winters

selber Schneeflocken in Reißtechnik herzustellen.

Super ist es,

wenn es sich dabei nicht um EIN solches Exemplar

der Gattung Aktenvernichter handelt,

sondern um DREI.

Hätte man vorher wissen können,

höre ich in Gedanken den einen oder die andere Neunmalkluge zischen.

Sicher.

Aber manches weiß man vorher nun mal nicht.

So kann es vorkommen,

dass das zweite Kind

Zwillinge sind.

In meinem Job als Lehrerin geht es manchmal auch zu,

als lebte man in einer anderen Welt.

Ich schlichte Streit

zwischen Eltern,

die sich aus unerfindlichen Gründen

wegen eines Glätteisens in den Haaren liegen.

Ich fange verbale Geschosse

aus der untersten Schublade auf,

die quer durch die Schulflure geworfen werden.

Ich renne wochenlang irgendwelchen Heften hinterher,

die letztlich dann doch im schulischen Bermudadreieck

mysteriös verschwinden.

Ich kümmere mich um teure Winterjacken,

die niemandem gehören und wohl auch

nirgendwo zu Hause vermisst werden.

Wenngleich dies den heimischen

Aktivitäten zum Teil verdächtig ähnlich zu sein scheint,

gibt es doch den einen oder anderen

Unterschied:

1. Ich werde dafür bezahlt.

2. Irgendwann habe ich Schulschluss und kann die Tür hinter mir zumachen.

Und so freue ich mich auf den Dienstag,

denn da beginnt für mich die Schulwoche.

Ganz besonders sehne ich mich danach,

wenn der Montag einer dieser Tage ist,

an dem alles und nichts passt.

Wenn keiner der drei aufräumen will,

weil die Memory-Kärtchen im Wohnzimmer

“viel schöner aussehen als der langweilige Parkettboden”.

Wenn vom frisch einsortierten Kleiderschrank

nur noch gähnende Leere übrig ist,

weil heute “unbedingt eine Modenschau” sein musste.

Wenn einer der Zwillis den anderen

schminkt,

“weil ja Fasching ist”,

und dabei die Faschingsschminke mit

Eddingstiften verwechselt.

Morgen ist endlich wieder Dienst-Tag!

Es gibt so Momente,

da fühle ich mich meiner eigenen Kindheit

plötzlich so unglaublich nahe.

Ein Déjà-vu sozusagen,

das ich der Wissbegier meiner Kinder,

Krissi (5), Ben (3) und Eli (3)

verdanke.

“Mama, was ist wenn man gestorben ist?”

werde ich von Eli gefragt und sein Blick verrät mir,

dass ihn das ernsthaft interessiert.

“Dann kommt man in den Himmel, wie Gianni,

Omas Kater,

der ist im Katzenhimmel.”

“Aber Menschen werden doch beerdigt wenn sie gestorben sind.

So wie Opa Rudolf.”,

verbessert mich Krissi mit kritischem Blick.

“Ja, das stimmt schon. Das ist nur der Körper.

Die Seele kommt in den Himmel.”,

höre ich mich sagen und glaube fast,

meine Mutter sprechen zu hören.

Und mir fällt unmittelbar ein,

wie ich mir als Kind die Seelen im Himmel vorstellte.

Nur einen winzigen Moment später

meldet sich Eli zu Wort:

“Das ist ja cool!!”

Ben ergänzt eifrig:

“Geil und cool!”

Ich sehe die beiden fragend und zugleich vorsichtig ahnend (Déjà-vu!!) an.

“Das muss ich mir unbedingtlich anschauen!” sagt Ben.

“Ich auch! Hoffentlich fliegen da auch Käse-Laugen-Stangen

und Brötchen herum!” erklärt Eli.

Ich folge der kindlichen Logik sofort,

weil ich vor ca. 30 Jahren

genau dieses Bild auch vor Augen hatte.

Hier im süddeutschen Raum

existieren neben den armen, menschlichen Seelen

noch solche, unter dem selben Wort,

als sehr leckeres Gebäck,

mit Salz und Kümmel bestreut.

Wir leben sehr gerne hier in unserem Dorf

Wobei Dorf schon ziemlich übertrieben ist.

Es ist eher eine Ansammlung von

Häusern.

Darin wohnen insgesamt

exakt 270 Menschen.

In Worten: Zweihundersiebzig Komma Null Komma Nix.

Hier erweckt ein fremdes Auto,

sofern es sich hierher verirrt,

sofort die Neugier

 der Eingeborenen.

Immer Anfang des Jahres

erscheint für unser Dorf

ein Veranstaltungskalender.

Voller Spannung erwartete ich einen solchen auch

in diesen Wochen.

Heute war er im Briefkasten.

Ein DinA4-Blatt in

Aufmerksamkeit weckendem Grün.

Erstaunlich gefüllt.

So viel ist bei uns los?

Beeindruckt und gebannt

beginne ich den Plan zu studieren.

Und ich fange noch mal oben an.

Zähle durch.

Knapp die Hälfte aller

“Veranstaltungen”

beinhalten zu erteilende Abfuhren:

- Gelber Sack

- Blaue Tonne

- Sperrmüll

- Hausmüll

Kulturschock im wahrsten Sinne des Wortes.

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